Natürlich ist die Corona-Krise noch alles andere als überwunden – nicht auf anderen Kontinenten, nicht in Europa, auch nicht in Deutschland! Jetzt, in der zweiten Augusthälfte, erleben wir wieder im Live-Ticker, wie sich nach wenigen Monaten der scheinbaren Beruhigung die Infektionszahlen erneut rasant erhöhen und auch die Wiederaufnahme des KiTa- und Schulbetriebs vielerorts in Deutschland immer noch zahlreichen Fragezeichen unterworfen ist und wohl auch in den vor uns liegenden Monaten fragil bleiben wird.


Das Buch

Jenseits von Corona

Bernd Kortmann / Günther G. Schulze (Hg.)

Jenseits von Corona

Unsere Welt nach der Pandemie – Perspektiven aus der Wissenschaft

Wie sieht die Welt nach Corona aus? Was bleibt von der Krise? Führende Wissenschaftler*innen aus Geistes-, Sozial-, Natur- und Lebenswissenschaften geben Antworten und Orientierung.


Und doch enthebt uns diese (zurecht) vielbeschworene »dynamische Situation«, inmitten der wir uns befinden, nicht der intellektuellen Verpflichtung, aus der Beobachtung und Analyse der seit Mitte März gemachten Erfahrungen heraus nach vorne zu denken. Eine Idee dafür zu entwickeln, wie die Welt nach der Pandemie – die eine Welt des souveränen Umgangs mit dem Corona-Virus wird sein müssen – aussehen könnte. Dabei geht es uns weniger um konkrete Prognosen als um die Analyse von Entwicklungslinien, um Kontextualisierung, um Einordnung und – ganz wesentlich– um Orientierung hinsichtlich grundlegender Fragen wie folgender: Was wird von der Krise und ihren tiefgreifenden Veränderungen bleiben? Stellt sie eine Zeitenwende dar oder ist sie nur eine Delle in langfristigen Trendlinien? Wie wird Corona unsere Lebenswelten in Familie, Arbeit, Schule, Gesundheit, Wirtschaft, Politik, Kultur, Religion, Wissenschaft etc. dauerhaft verändern? Wie unsere ganze Weltordnung?

Für die Beantwortung eines derart komplexen Bündels von Fragen erschien es uns unabdingbar, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen großen Wissensbereichen einzubinden, die sich diesen und anderen Fragen aus ihrem jeweiligen Fachgebiet und Erfahrungsschatz heraus annähern. Für den Band haben sich erfreulicherweise spontan mehr als 30 renommierte Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Fachdisziplinen, einige davon aktuell oder früher tätig in Leitungspositionen hochrangiger nationaler und internationaler Wissenschaftsorganisationen, Forschungszentren, Akademien, Stiftungen und Beratungsgremien, bereit erklärt, ihre Sicht der Dinge und auf die Welt nach Corona darzulegen – kurz, pointiert, prägnant und kenntnisreich. Dass die Mehrzahl der insgesamt 30 Buchbeiträge aus dem Bereich der Sozial-, Verhaltens- und Geisteswissenschaften kommt, ist ein Indiz dafür, dass die Corona-Krise ein ebenso umfassendes wie tiefgreifendes gesellschaftliches Phänomen darstellt, von der jede und jeder in der ein oder anderen Weise betroffen ist – in der Regel mehrfach. Gleichzeitig eröffnet der Band aber auch faszinierende Perspektiven aus Sicht der Medizin und der Natur- und Lebenswissenschaften.


Blogbeitrag: Beiträger*innen und Aufbau des Buches


Über die großen den Inhalt strukturierenden Themenblöcke hinaus gibt es eine Vielzahl von Themen, die sich durch verschiedene der Beiträge hindurchziehen und dort aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit unterschiedlicher Intensität beleuchtet werden. Hier nur eine Auswahl:

  • Traditionslinien im Pandemieverhalten
  • Corona und andere globale Herausforderungen (vor allem Klimawandel)
  • Digitalisierung
  • Impfstoffentwicklung
  • Systemrelevanz von Berufen
  • Gemeinwohlorientierung, in sozialen und wirtschaftlichen Kontexten
  • Situation der Frauen
  • Generationenkonflikt
  • Populismus und Populisten
  • Verschwörungstheorien
  • Rolle der Europäischen Union, Situation innerhalb der EU, globale Kräfteverhältnisse
  • Lehren über das Menschenbild

Die Beiträge sind überwiegend von deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verfasst, die Perspektive auf die Pandemie und die von ihr ausgelöste gesellschaftliche und wirtschaftliche Krise ist daher zunächst eine stark auf Deutschland bezogene. Dennoch bieten einzelne Beiträge, nicht nur diejenigen in der Rubrik »Die Weltordnung nach Corona«, dezidiert internationale Perspektiven, speziell zur wirtschaftlichen und politischen Rolle Chinas und der USA, zur Situation in Indien und der EU, zur Zukunft des internationalen Multilateralismus oder wenn es um eine Typologie von Staaten im Hinblick auf ihr Handling der Corona-Krise geht.

Natürlich könnte man an dieser Stelle versuchen, einige Haupt-Botschaften aus dem hier gebotenen Kaleidoskop herauszudestillieren, speziell eben bezüglich der Welt nach der Pandemie. Dies jedoch möchten die Herausgeber gerne den Leserinnen und Lesern selbst überlassen. Jede/r für sich wird nach Beendigung der Lektüre des Bandes bzw. derjenigen Beiträge, die sie oder ihn am stärksten interessiert haben, versuchen, eine Quintessenz zu ziehen, gerade auch im Gespräch mit anderen über diesen Band und was man aus ihm mitnehmen kann. Wir als Herausgeber möchten durch einige »Duftmarken«, die wir vorab setzen, diesen Erkenntnisprozess nicht beeinflussen. Aus unserer Sicht möchten wir nur so viel sagen: Man kann solche Haupt-Botschaften durchaus identifizieren, teilweise unabhängig voneinander wiederkehrend in verschiedenen der Beiträge. Und ein zweites sei hinzugefügt: Im Zuge unserer mehrfachen intensiven Lektüre jedes einzelnen der Beiträge und seiner Überarbeitungen haben wir ausnahmslos die Erfahrung gemacht, dass die Beiträge mit jedem Lesen mehr von sich preisgegeben, noch mehr an analytischer Schärfe, Einsicht und Gewicht gewonnen haben, wodurch unser Respekt vor ihrer Qualität und vor allem der beeindruckenden Leistung ihrer Verfasserinnen und Verfasser stetig gewachsen ist. Es wäre natürlich schön, wenn die Leserinnen und Leser eine ähnliche Erfahrung machen würden, auch wenn es in den allermeisten Fällen natürlich bei einer einmaligen Lektüre bleiben wird. Aber gerade darum ist es wichtig, den folgenden Umstand hervorzuheben:  

Jeder einzelne der Kurzbeiträge in diesem Band bietet anregende Lektüre. Dies rührt nicht nur von der Qualität der Analyse, Originalität des Blickwinkels, dem intellektuellem Gehalt und anregenden Schreibstil her, sondern auch daher, dass jeder Beitrag für sich eine Zeitkapsel darstellt – und dadurch auch eine geradezu persönliche Beziehung zu den Leserinnen und Lesern aufzubauen vermag. Sämtliche Beiträge wurden in einem acht Wochen umfassenden Zeitfenster von Mitte Mai bis Mitte Juli 2020 verfasst. Ein spannender (natürlich nur Neben-)Aspekt bei ihrer Lektüre ist daher, Hinweise darauf zu finden, wann etwa innerhalb dieses achtwöchigen Zeitfensters der jeweilige Beitrag verfasst wurde. Mit Erscheinungsdatum Ende September wird sich also jede Leserin und jeder Leser, vermittelt über die einzelnen Beiträge, mehr oder weniger in die erste Jahreshälfte des Jahres 2020 rückversetzt fühlen oder zumindest rückversetzen können. Diese innere Rückschau im stillen Dialog mit der Stimme der jeweiligen Autorin bzw. des jeweiligen Autors macht einen besonderen Reiz des Leseerlebnisses der Beiträge in diesem Band aus: Auf welche der Corona-bezogenen Ereignisse und Erfahrungen zwischen Mitte März und Mitte Juli wird in dem jeweiligen Beitrag Bezug genommen? Wie habe ich als Leserin bzw. Leser die Situation damals erlebt – ganz persönlich als in verschiedenster Hinsicht Betroffene/r, aber auch in der Wahrnehmung der Gesamtsituation in Deutschland, Europa, der Welt?

In der Summe zeichnet sich Jenseits von Corona durch ein breites wissenschaftsbasiertes Spektrum an unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungshintergründen führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Dieses Spektrum fügt sich zu einem informativen Kaleidoskop, gibt den Leserinnen und Lesern Orientierung und eröffnet ihnen die Möglichkeit zu einem besseren Verständnis und neuen Sichtweisen auf verschiedenste Aspekte der Corona-Krise. Beitrag für Beitrag bietet die Lektüre zudem Gelegenheit zu einer kurzen Zeitreise zurück, bevor sie den Blick freigibt auf die Welt jenseits von Corona. Diese Welt, machen wir uns nichts vor, hat schon begonnen.

Die Herausgeber

Bernd Kortmann

Bernd Kortmann

(Prof. Dr. Dr. h.c.)

ist Professor für Anglistische Linguistik an der Universität Freiburg mit Schwerpunkt im typologischen Vergleich von Varietäten des Englischen weltweit. Er ist Sprecher des Direktoriums des Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS).

Günther Schulze

Günther G. Schulze

(Prof. Dr.)

ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg mit Schwerpunkten in der Politischen Ökonomie, Entwicklungsökonomie und der Ökonomie des Terrorismus. Er ist wissenschaftlicher Direktor für Sozialwissenschaften des Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS).


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  1. […] In this new volume scholars with various disciplinary backgrounds think about how the world might be after the pandemic – a world in which the virus may not be extinct, but handled in a more knowledgeable manner. The volume presents essays from 30 authors, including one by Birgit Meyer, titled ”Religion und Pandemie”. The volume is in German. For more information, click here. […]