Die Corona-Pandemie als Phänomen des Unverfügbaren

Katharina Block

Die Erfahrung des Unverfügbaren wurde durch die Moderne mit ihrer vernunftbasierten Weltaneignung bisher überlagert und bricht sich im Zuge der Corona-Pandemie Bahn. Dieses Phänomen geht über die bisherigen Krisenerfahrungen der spätmodernen Gesellschaft weit hinaus. Unter Rekurs auf Helmuth Plessners schöpferischen Griff wird nach einer theoretischen Begründbarkeit der Chancen auf Neues gefragt.

Die Do-it-Yourself (DIY)-Community in Zeiten von Corona. Plädoyer für eine demokratisierte Daseinsvorsorge

Andrea Baier / Christa Müller

Die DIY-Community arbeitete schon vor der Corona-Pandemie im Modus der Problembewältigung. Sie experimentieren mit kleinteiligen Lösungen, z.B. für Nahrungsmittel- oder Energieproduktion, und proben das kollaborative Fabrizieren, Reparieren, Upcyclen. Kein Wunder, dass sie sich schnell am multidisziplinären Großprojekt des »Kurveflachhaltens« beteiligen konnte. Es wird Zeit, dass sich die Politik stärker öffnet für die Gestaltungskraft dieser Art von zivilgesellschaftlichem Engagement.

Gesellschaft funktioniert auch ohne anwesende Körper

Sascha Dickel

Social Distancing ist kein neues Phänomen der Corona-Pandemie, sondern gängiger Alltag unserer durch-mediatisierten Lebenswelt. Erst die krisenbedingte Problematisierung des Kommunizierens unter Anwesenden macht uns deutlich, welche Ausnahmestellung diese Form des Miteinanders längst innehat – und wie umfassend unsere mediale Sozialität bereits fortgeschritten ist.

Körper im Ausnahmezustand

Gabriele Klein / Katharina Liebsch

»Social Distancing« ist im Kern ein »Physical Distancing«. Der Beitrag skizziert aus körpersoziologischer Sicht, wie durch die Vorgabe des »Social Distancing« die intersubjektiven und kollektiven Körperverhältnisse neu justiert und Körpererfahrungen im öffentlichen und privaten Raum re-organisiert werden.

Allein solidarisch? Über das Neosoziale an der Pandemie

Stephan Lessenich

Der Erfolg des Neoliberalismus liegt nicht nur in seinen Steuerungsmedien Macht und Geld begründet, sondern auch in seiner Mobilisierung von Moral. Die Privatisierung der Sorge wird dabei mit der sozialmoralischen Integration des Gemeinwesens kurzgeschlossen und das individuelle Verhalten – auf paradigmatische Weise in Zeiten von Corona – entlang der Achse von Leben und Sterben moralisiert.

Das Virus der Nicht-Nachhaltigkeit: Findet die sozial-ökologische Transformation jetzt endlich statt?

Ingolfur Blühdorn

Die Corona-Krise exponiert die Spannung zwischen der Kritik an Ausbeutung, Ungleichheit und Exklusion und ihrer entschiedenen Verteidigung. Unbegründete Prophezeiungen einer sozial-ökologischen Transformation befestigen die Ordnung der Nicht-Nachhaltigkeit.