Endstation Solidarität? Sprachliche Einwürfe zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen »Systemrelevanz« und Kriegszustand

Simon Scharf

Wenn Solidarität in der Corona-Krise mehr als eine Worthülse sein soll, gilt es Begriffe wie Systemrelevanz und Heldentum kritisch zu betrachten. Wenn man sich nicht mehr darüber im Klaren ist, dass eine verflochtene Gesellschaft die Systemrelevanz aller konstitutiv voraussetzt, kann man den Begriff auch so weit aushöhlen, dass er lediglich abgrenzende und kompetitive Grenzlinien zwischen wichtigen und nicht-wichtigen Berufsgruppen einzieht. Über neue Formen des solidarischen Sprechens nachzudenken, bedeutet für die Zukunft vor allem, den Einzelnen politisch als mündig-kooperative(n) Bürger*in zu adressieren und ihn bzw. sie nicht mit einfachen Polaritäten und kriegerisch simplifizierender Rhetorik abzuspeisen, sondern Komplexität und Unsicherheit zuzumuten – jenseits von Angst und Strategie.

Das Virus der Nicht-Nachhaltigkeit: Findet die sozial-ökologische Transformation jetzt endlich statt?

Ingolfur Blühdorn

Die Corona-Krise exponiert die Spannung zwischen der Kritik an Ausbeutung, Ungleichheit und Exklusion und ihrer entschiedenen Verteidigung. Unbegründete Prophezeiungen einer sozial-ökologischen Transformation befestigen die Ordnung der Nicht-Nachhaltigkeit.