Die Preisverleihung wird online am 27.9.2021 um 16.00 stattfinden.
Anmeldung an: rhoelzl@gwdg.de

Am heimischen Schreibtisch lachen können über den augenzwinkernden Humor und die Figurenzeichnung in einem historiografischen Szenen-Dramen. Mit einem Versuch mitfiebern und hoffen, dass großartige Zeichnungen und ein noch nicht ganz fertig geschliffener Text am Ende doch noch zusammenfinden. Überrascht und verblüfft auf einen 50 Tweets umfassenden Twitter-Take zur Form von Geschichtsschreibung blicken. Sich hineinbegeben in sensitive Ego-Histoires und sie bewerten sollen. Sich über abgerundete, klassische Reflexionen zu digitalen Technologien des Geschichteschreibens freuen: In Corona-Zeiten war das ein unerwartetes Geschenk. Beschert haben  das mir und – ich meine auch meinen Jury-Kolleg*innen Laetitia Lenel, Charlotte Jahnz, Andreas Ludwig, Nina Reusch, Felix Schürmann und Pavla Šimková  – die Einsendungen zum 5. Essaypreises der WerkstattGeschichte.

Die Herausforderung lautete: »Experimente, bitte! Geschichte anders schreiben« Wir fragten: »Wo entstehen neue und andere Formen der Darstellung von Geschichte? Wie sehen experimentelle Formen des Schreibens heute aus? Warum sollten wir Geschichte anders schreiben?« 

Solche Fragen zu stellen, ist schön und gut. Das Risiko, Antworten – in Form und Inhalt – zu wagen, liegt aber bei den Einsender*innen. Vierzehn »Geschichtsschaffende« haben uns ihre Ideen, Entwürfe und Essays überlassen. Vierzehn Mal durften wir über den Ideenreichtum staunen, uns über gelungene Experimente mit Darstellungsformen freuen oder auf das Gelingen eines mutigen Entwurfes hoffen.

Am Ende haben wir uns für Christian Wachter als Preisträger entschieden. In der Laudatio der Jury heißt es dazu:

»Sein Essay Hypertext – ein logisches Revival für das Erzählen von Geschichte besticht durch seine geradlinige Argumentation, die dennoch niemals eingleisig ist. In der klassischen Manier eines wägenden, kritischen und einen Gedanken entwickelnden wissenschaftlichen Essays begreift er die Herausforderung ‚Experimente bitte!‘ auf analytische Weise. Wachter seziert die Euphorie über die neuen experimentellen Möglichkeiten des Schreibens im digitalen Raum in Form des Hypertexts, unterzieht diese Experimente der Kritik und greift sie dennoch für einen neuen Vorschlag, Geschichte zu erzählen, auf.«

Die Jury

Um der Vielfalt und dem Ideenreichtum der Einsendungen Ausdruck zu geben, haben wir einen zweiten ebenfalls sehr gelungenen Beitrag mit einer »ehrenvollen Erwähnung« hervorgehoben: Anna Karlas »Essay in Form eines Drehbuchs zu einem geschichtstheoretischen Drama«, so formuliert die Jury, »lesen wir als humorvolle Kommentierung einer Sinnkrise der Geschichtsschreibung.«

Ob nun als Kapitän*innen eines zukünftigen Hyper(text)raums oder klassische Hero*innen, die nichts daran finden, längst den Berg hinabgerollte Felsen immer wieder neu und innovativ auf den Gipfel hinaufzurollen: Gute Geschichtsschreibung wird in Zukunft ihren Beitrag zu Deutung von Welt und Gesellschaft leisten. Als WerkstattGeschichte arbeiten wir dafür, ein passende Plattform zu bieten.

Der prämierte Essay von Christian Wachter Hypertext ↗ und und der Text von Anna Karla Vorläufig Geschichte schreiben ↗ können auf der Website der WerkstattGeschichte ↗ bereits jetzt gelesen und heruntergeladen werden. Gedruckt erscheinen sie im Heft 84 der WerkstattGeschichte.



Verein für kritische Geschichtsschreibung e.V. (Hg.)

WerkstattGeschichte
2021/2, Heft 84: Monogamie

(Heterosexuelle) Monogamie galt lange als Norm. Historisch gesehen aber gab es immer auch andere Varianten des Auslebens von Liebe, Sexualität und Intimität. Dieses WerkstattGeschichte-Heft, herausgegeben von Veronika Springmann und Martin Lücke, fragt, wie sich Monogamie als Beziehungskonzept in bestimmten gesellschaftlichen Kontexten durchgesetzt hat. Welches »Othering« ist mit ihr verknüpft? Und: Welche Formen von Zugehörigkeit werden über das Konzept Monogamie verhandelt?


Erscheint im September

Christian Wachter

Geschichte digital schreiben
Hypertext als non-lineare

Wissensrepräsentation in der Digital History

Geschichte als nicht-linearen Verlauf aufzufassen heißt, historische Zusammenhänge in all ihrer Komplexität auszudrücken. Dabei stoßen wir mit gedruckten Texten an Grenzen. Christian Wachter zeigt: Digitaler Hypertext hingegen erweist sich als konstruktive Erweiterung für die Erkenntnisvermittlung – non-linear gedachte Zusammenhänge werden mit einem non-linearen Medium explizit repräsentiert.